18. Dezember

Der Stern von BethlehemVocaloni
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Stern in der Nacht - Blickrichtung Weihnachten von Markus Zink:

 

Ich bin ein Hans-guck-in-die Luft. Besonders in der Nacht. Denn ich liebe den Blick zu den Sternen. Deshalb bin ich auch schon immer ein Fan von den „Weisen aus dem Morgenland“ gewesen. Matthäus erzählt ihre Geschichte (Mt 2). Sie folgen einem Stern und finden den kleinen Jesus in Bethlehem. Die Bibel nennt sie eigentlich „Magier“. So hießen im alten Persien die Gelehrten, die sich mit Sternen auskann-ten. Vom persischen Königshof sollen sie also gekom-men sein –aus dem biblischen Morgenland. Ich stelle mir vor, wie siedie Nächte durchgewacht haben, mit starren Hälsen zum Himmel geschaut und beim Schauen fast das Blinzeln vergessen.Doch viele andere Menschen schauen lieber nach unten.So, wie die Person auf dem Gemälde von Jean Corot. Die Gestalt mit ihrem Wanderstabund dem Hund neben sich geht leicht gebückt. Sie trägt irgendwas auf dem Rücken. Die Dunkelheit verbirgt ihr Gesicht unter der roten Mütze. Sie schaut nach unten auf den Weg. Ist ja auch sicherer so. Doch für den Sternen-himmel hat sie keinen Blick. Schade. Denn ihr entgeht etwas.Da ist ein prächtiger Stern über den Häusern. Ob es wohl der Abendstern ist, unser Nachbarplanet Venus? Oder Jupiter? Auch der ist hell und schön. Oder ist es eine außergewöhnliche Himmelserschei-nung, die so nie wiederkehrt? In der Natur könnte ich es sagen. Hier im Gemälde bleibt es offen. Am liebsten würde ich der Person auf dem Weg zurufen: Schau nur, wie wunderbar die Sterne heute heraus-kommen! Und den da verpasse nicht, bevor er gleich hinter den Dächern untergeht! Das Bild bringt mich dazu, ständig zwischen den beiden Hälften hin und her zu schauen. Vom Abend-himmel auf die Gebäude, auf den Waldweg und auf die Person mit Hund. Und dann wieder zurück, hoch in den Himmel, in die unermessliche Ferne der Gestirne. Die schlanken Bäume –Pappeln vielleicht –verbinden beide Hälften. Leicht und schwungvoll strecken sie sich zwischen Himmel und Erde, fest verwurzelt hier unten, doch die Kronen verschmelzen schon mit dem Schleier feiner Nachtwolken und dem nächtlichen Blau.Der schöne Stern findet auch eine irdische Entsprechung. Da, im Fenster des nächstgelegenen Hauses: ein Licht! Wer da wohl wohnt? Der Künstler hat bei diesem Bild vermutlich nicht an Weihnachten gedacht. Aber ich stelle mir vor, dass es für die Magier aus dem Morgenland ganz ähnlich ausgesehen haben könnte, als sie sich Bethlehem näherten. Die Dorfbe-wohner haben sich zu Bett begeben. Doch in einem Haus brennt noch Licht. Das Haus von Josef und Maria. Ihr Kind kommt! In der Erzählung von Mat-thäus gibt es keinen Stall und keine Krippe. Dafür aber den Stern und die Magier. Er sagt damit: Was in diesem Haus eines Zimmermanns heute Nacht ge-schehen ist, das hat universaleBedeutung. Das Licht Gottes auf Erden und die Lichter am Himmel spiegeln einander. Wie der Stern über den Häusern und das Licht im Fenster. Mit dieser Geburt wird die Welt eine andere.Doch viele Menschen sehen das nicht. Sie halten den Kopf lieber unten. Für sie ist diese Nacht wie jede andere und der Stern am Himmel bloß ein vorüber-gehendes Licht. Ich glaube aber, dass wir Menschen für eine doppelte Perspektive gemacht sind. Wie es die schlanken Pappeln verkörpern: erdgebunden, aber auch auf den Himmel ausgerichtet, auf die Sphäre Gottes. Es ist gut, wenn wir beides im Blick behalten. Selbst wenn wir keine Sternegucker sind. Denn sonst entgehen uns die Wunder, die Gott dort tut, wo wir auf unserem Weg nicht hinschauen.

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